Benglisch (auch als "Benglish" bekannt) ist eine Mischsprache, die aus der Verschmelzung von Bengalisch und Englisch entstanden ist. Die Sprache entwickelte sich während der britischen Kolonialzeit in Bengalen (heute Bangladesch und der indische Bundesstaat Westbengalen) im 18. und 19. Jahrhundert.
Heute wird Benglisch hauptsächlich in folgenden Regionen gesprochen:
Westbengalen (Indien)
Bangladesch
Bengalische Diaspora in Großbritannien
Bengalische Gemeinschaften in den USA, Kanada und Australien
Urbane Zentren wie Kolkata (Kalkutta), Dhaka und Chittagong
Die Sprache hat sich besonders in akademischen Kreisen, im Geschäftsleben und in der Technologiebranche etabliert, wo Englisch und Bengalisch aufeinandertreffen.
Besonderheiten der Sprache
Code-Switching: Benglisch ist durch häufiges Wechseln zwischen bengalischen und englischen Wörtern oder Phrasen innerhalb eines Satzes gekennzeichnet.
Hybride Wortbildung: Neue Wörter werden durch die Kombination bengalischer und englischer Morpheme gebildet.
Angepasste Aussprache: Englische Wörter werden oft mit bengalischem Akzent ausgesprochen und umgekehrt.
Grammatikalische Flexibilität: Die Grammatik folgt manchmal bengalischen, manchmal englischen Regeln oder entwickelt eigene hybride Strukturen.
Kulturelle Ausdrucksformen: Benglisch enthält oft kulturspezifische Begriffe, die in keiner der Ursprungssprachen exakt übersetzt werden können.
Schriftsystem: Kann sowohl in bengalischer Schrift als auch in lateinischen Buchstaben geschrieben werden, oft mit einer Mischung aus beiden.
Situative Anpassungsfähigkeit: Der Grad der Mischung variiert je nach sozialem Kontext, Bildungshintergrund und Gesprächsthema.
Grundregeln der Sprache
1. Verbplatzierung
Im Benglischen steht das Verb typischerweise am Ende des Satzes, ähnlich wie im Bengalischen, auch wenn englische Wörter verwendet werden.
Beispiel 1: "Ami office-e going" (Ich gehe ins Büro)
Beispiel 2: "Tumi breakfast korecho?" (Hast du gefrühstückt?)
Beispiel 3: "She market-e shopping korte gechhe" (Sie ist zum Einkaufen auf den Markt gegangen)
2. Artikel-Weglassung
Artikel (a, an, the) werden oft weggelassen, da das Bengalische keine direkten Entsprechungen hat.
Beispiel 1: "Book table-er upore achhe" (Das/Ein Buch ist auf dem Tisch)
Beispiel 2: "Movie dekhte jabo" (Ich werde den/einen Film sehen)
Beispiel 3: "University-te class achhe" (Es gibt Unterricht an der Universität)
3. Postpositionen statt Präpositionen
Benglisch verwendet oft bengalische Postpositionen nach englischen Substantiven.
Beispiel 1: "Table-er upore" (Auf dem Tisch)
Beispiel 2: "Office-er jonno" (Für das Büro)
Beispiel 3: "Friend-er shathe" (Mit dem Freund)
4. Verbendungen
Englische Verben werden mit bengalischen Verbendungen kombiniert, besonders mit "kora" (tun/machen).
Beispiel 1: "Download kora" (Herunterladen)
Beispiel 2: "Try korchi" (Ich versuche es)
Beispiel 3: "Cancel korte hobe" (Es muss abgesagt werden)
5. Honorifika und Höflichkeitsformen
Benglisch behält die bengalischen Höflichkeitsformen bei, auch wenn englische Wörter verwendet werden.
Beispiel 1: "Apni please wait korun" (Bitte warten Sie)
Beispiel 2: "Tumi ki busy achho?" (Bist du beschäftigt?)
Beispiel 3: "Sir-er office-e jaben?" (Werden Sie ins Büro des Chefs gehen?)
6. Verdoppelung für Betonung
Wörter werden oft verdoppelt, um Betonung oder Kontinuität auszudrücken.
Beispiel 1: "Slowly slowly drive koro" (Fahre sehr langsam)
Beispiel 2: "Different different ideas dekhte hobe" (Wir müssen verschiedene Ideen betrachten)
Beispiel 3: "Quick quick kaj shesh koro" (Beende die Arbeit sehr schnell)
7. Fragewörter am Ende
In Fragen werden Fragewörter oft am Ende des Satzes platziert.
Beispiel 1: "Tumi jachho kothay?" (Wohin gehst du?)
Beispiel 2: "Meeting-ta hobe kakhon?" (Wann wird das Meeting stattfinden?)
Beispiel 3: "Ei dress-er price koto?" (Wie viel kostet dieses Kleid?)
8. Geschlechtslose Pronomen
Benglisch verwendet oft geschlechtsneutrale Pronomen, wie im Bengalischen üblich.
Beispiel 1: "She/he office-e geche" (Er/sie ist ins Büro gegangen)
Beispiel 2: "O-ke bolo je ami busy" (Sag ihm/ihr, dass ich beschäftigt bin)
Beispiel 3: "Tar phone-ta niye esheche" (Er/sie hat sein/ihr Telefon mitgebracht)
9. Suffixe für Pluralbildung
Englische Wörter erhalten oft bengalische Pluralsuffixe.
Beispiel 1: "Book-gulo table-e rakho" (Lege die Bücher auf den Tisch)
Beispiel 2: "Friend-ra ashbe" (Die Freunde werden kommen)
Beispiel 3: "Car-gulo expensive" (Die Autos sind teuer)
10. Zeitformen durch Hilfsverben
Zeitformen werden durch bengalische Hilfsverben ausgedrückt, auch wenn englische Hauptverben verwendet werden.
Beispiel 1: "Ami khete jachhi" (Ich gehe essen)
Beispiel 2: "Se movie dekhechilo" (Er/sie hat einen Film gesehen)
Beispiel 3: "Amra meeting korbo" (Wir werden ein Meeting haben)
11. Negation durch bengalische Partikel
Die Verneinung erfolgt durch bengalische Verneinungspartikel.
Beispiel 1: "Ami jabo na" (Ich werde nicht gehen)
Beispiel 2: "Office-e keu nei" (Niemand ist im Büro)
Beispiel 3: "Eta possible noy" (Das ist nicht möglich)
Beispiel 1: "Hospital-e jachhi" (Ich gehe ins Krankenhaus)
Beispiel 2: "Computer-ta kharap" (Der Computer ist kaputt)
Beispiel 3: "University-te porasuna kori" (Ich studiere an der Universität)
Prominente Benglisch-Sprecher
Mehrere bekannte Persönlichkeiten sprechen oder haben Benglisch gelernt:
Jhumpa Lahiri - Die Pulitzer-Preisträgerin und Autorin von "Interpreter of Maladies" wuchs mit Benglisch auf und thematisiert die Sprachmischung in ihren Werken.
Amartya Sen - Der Nobelpreisträger für Wirtschaft ist bekannt für seine Vorträge, in denen er zwischen Englisch und Bengalisch wechselt.
Rabindranath Tagore - Der erste nicht-europäische Literaturnobelpreisträger schrieb zwar hauptsächlich auf Bengalisch, verwendete aber in seinen späteren Jahren auch Benglisch in Gesprächen mit internationalen Besuchern.
Satyajit Ray - Der weltberühmte Filmemacher nutzte Benglisch in seinen Filmen und im täglichen Leben.
Taslima Nasrin - Die kontroverse Autorin und Aktivistin verwendet Benglisch in ihren Schriften und öffentlichen Auftritten.
Riz Ahmed - Der britisch-pakistanische Schauspieler hat für Rollen, in denen er bengalische Charaktere spielte, Benglisch gelernt.
Shashi Tharoor - Der indische Politiker und Autor ist für seinen eloquenten Sprachgebrauch bekannt und beherrscht auch Benglisch.
Eine interessante Begebenheit
Der britische Schauspieler Dev Patel, bekannt aus Filmen wie "Slumdog Millionaire" und "Lion", hatte eine bemerkenswerte Erfahrung beim Erlernen von Benglisch für seine Rolle in dem Film "The Namesake" (basierend auf Jhumpa Lahiris gleichnamigem Roman).
Obwohl Patel indische Wurzeln hat, sprach er ursprünglich kein Bengalisch oder Benglisch. Für die authentische Darstellung seiner Rolle musste er die Sprachmischung meistern. Er beschloss, drei Monate in Kolkata zu leben, wo er bei einer bengalischen Familie wohnte.
Während seines Aufenthalts besuchte er täglich lokale Teestuben (Chai-Wallahs), wo er stundenlang den Gesprächen der Einheimischen lauschte und versuchte, den Rhythmus und die Struktur von Benglisch zu verstehen. Seine Gastfamilie bestand darauf, dass er nur in Benglisch kommunizierte, was anfangs zu komischen Missverständnissen führte.
Eine Anekdote, die Patel gerne in Interviews erzählt, handelt von seinem Versuch, in einem lokalen Restaurant zu bestellen. Er wollte "Ich hätte gerne Reis mit Hühnchen" sagen, verwendete aber versehentlich das bengalische Wort für "Schuh" statt "Huhn". Der Kellner brachte ihm tatsächlich einen Teller Reis mit einem alten Schuh darauf, was zu großem Gelächter im Restaurant führte. Diese Erfahrung half Patel, die Nuancen der Sprache besser zu verstehen und seine Aussprache zu verbessern.
Nach seiner Rückkehr nach Hollywood lobten Kritiker seine authentische Darstellung und insbesondere seine Beherrschung des Benglischen, die so überzeugend war, dass viele Zuschauer mit bengalischem Hintergrund überrascht waren zu erfahren, dass er die Sprache erst für den Film gelernt hatte.